| "Viel von dem, was ich tue, geschieht im Verborgenen." - Seit 20 Jahren arbeitet Barbara Frintrop in Büchern. Es sind künstlerische Tagebücher entstanden, in die sie nur selten Einblick gewährt. Für die große Öffentlichkeit sind sie nicht bestimmt - weder die Skizzenbücher, in denen sie nahezu täglich Ideen festhält, noch die Konzeptbücher mit Zeichnungen zu festgelegten Themen. Die auf den 29. Juni 2004 datierte kleinformatige Zeichnung ohne Titel befindet sich in einem handlichen Taschenkalender und ist in formaler wie in thematischer Hinsicht charakteristisch für das Werk der Künstlerin. Ein Gefäß, das in seiner Form an eine Amphore erinnert, ist im Zentrum dargestellt. Dazu verteilte Barbara Frintrop Gold-Gouache mit den Fingern über einer Farbstiftzeichnung, welche nur noch an den Gefäßrändern sichtbar ist. Umgeben ist das goldene Gefäß von dem Wort "Seele", das fortlaufend in Reihen mit Bleistift von ihr aufgeschrieben wurde. Die Seitenränder und das Gefäß in der Mitte der rechten Buchseite führten zu Unterbrechungen des Schreibprozesses. Einzelne Silben sind daher am Ende einer Zeile und zu Beginn der nächsten zu lesen oder auch links und rechts von der Gefäßzeichnung. Und so vermitteln Seele oder Seele und sämtliche weiteren Varianten viel vom spielerischen Umgang mit Sprache, der Barbara Frintrops Werke auszeichnet. Die Handschrift der Künstlerin korrespondiert mit der von Hand aufgetragenen Farbe des Gefäßes. Durch diese angewandte Technik ist die Zeichnung ein deutlicher Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Die leicht lesbare Schriftsprache geht einher mit einer zu deutenden Symbolsprache. Das goldene Gefäß wird von Barbara Frintrop selbst als "Kumpio" bezeichnet, ein Begriff, den sie einem Text von Hugo Kükelhaus (19001984) entnommen hat. Der Pädagoge berichtet darin von einem Ritus, den das afrikanische Volk von Navrongo pflegt: Die Frauen bringen selbst getöpferte Gefäße in die Ehe ein, die zusammen mit Amuletten, Schmuck und anderen Wertgegenstanden mit Hilfe eines Netzes an der Wand der Hütte befestigt werden. Dieses Bündel wird als "Kumpio" bezeichnet und verehrt. Die umgreifenden, bergenden, bewahrenden Gefäße symbolisieren dinghaft die Seele des Menschen. Sie werden erst mit dem Tod für Opferhandlungen benutzt und schließlich dem Grab beigegeben. Das "Kumpio" genannte Gefäß von Barbara Frintrop ist durch seine goldene Farbe und zentrale Stellung als besonders wertvoll ausgewiesen. Bei der Betrachtung der kleinformatigen Arbeit sind Gedanken an europäische Ikonenmalerei naheliegend und berechtigt, wie die Künstlerin versichert. In unserem Kulturkreis ist die Zeichnung damit als Werk der Verehrung verstehbar. Auf eine universell lesbare Formensprache legt die ausgebildete Kunsttherapeutin in ihren künstlerischen Arbeiten großen Wert, von ihren kunsttherapeutischen Arbeiten unterscheiden sie sich darin deutlich. Es habe Jahre gedauert, erklärt Barbara Frintrop im Gespräch, bis sie die Form ihres Gefäßes fand. Der menschlichen Seele zu ehren, hat sie es immer wieder in unterschiedlichen Dimensionen dargestellt, bis hin zu einer ebenso mit den Händen gefertigten, großformatigen Wandarbeit, in der das Gefäß ihrer Körpergröße entspricht. So ist eine "Kumpio"-Serie entstanden, die keineswegs abgeschlossen ist. Dr. Kerstin Walter, Duisburg | | |