Freiberufliche Arbeit im Krankenhaus 2003-2007

Eine Insel und das Meer auf Station 34

"Hui, hui, hui", begleitet von diesen Worten fegt der Pinsel mit Farben und Wasser über Papier oder Leinwand. Wie der Wind die Wellen bewegt und um die Bäume streift, so beginnt Ezgi viele ihrer Bilder. Manchmal hält sie mir schon die Hände entgegen und dann ist klar: Pinsel haben heute frei. Sie malt mit den Fingern und singt dazu ein Lied. Dann möchte sie gar nicht mehr aufhören zu malen. Ein anderes Mal ist sie nach einer dreiviertel Stunde müde und legt sich hin. Wenn sie malt, entspannt sich ihr Körper vollkommen. Offenbar fühlt sie sich frei und vergisst, dass sie am Tropf in einem Bett im Krankenhaus sitzt.

So kommt es auch bei anderen Kindern. Die Farben und das Material bringen Entspannung und Erinnerungen. Schöne an einen Urlaub am Meer, aber auch die Fahrt im Krankenwagen oder ein Unfall können Themen eines Bildes sein. Oft sind es entstehen große Farbmeerflächen, die Stimmungen verändern, die Kinder und Jugendliche Neues erleben lassen. Einige sitzen die ganze Zeit still, tauchen ein in das Bild und werden eins mit ihm. Andere erzählen in der Zeit Geschichten von Bauch- oder Kopfschmerzen und wir versuchen sie zu verwandeln in Farben und Formen.

Eine Besucherin kommt herein und ist erstaunt: "Das ist von dir?" Es wird weniger über das Leid gesprochen, sondern gelobt und geklärt, wo dieses Werk platziert werden soll oder wer es bekommt. So entstanden im letzen Jahr eine Reihe von Tieren, Fahrzeugen und anderen Dingen. Viele Herzen! Herzen, die Bauchschmerzen machten, Herzen für Mütter und Freunde, Herzen mit Pfeilen und Buchstaben, meist gemalt mit dicken, nicht alltäglichen Farben. Herzen im Meer. "Den Krebs habe ich besiegt, aber ich kann kein Herz malen!" "Hast du den Krebs alleine besiegt?" "Nein, da haben mir die Ärzte geholfen!" "Na, dann wollen wir es auch gemeinsam versuchen."

Barbara Frintrop, Kunsttherapeutin